Kinderkapitalismus

31. Juli 2007 von Kubi

Wart Ihr schon einmal in einem von diesen modernen Eventschuppen für Kinder? Ich war heute, in solch einem “Kinderparadies”. Konkret ging es um kleine Bauklötzchen…

Zugegeben was Mr. Klötzchen bietet, ist schon völlig ok für Kids und man kann wirklich seinen Spaß haben.
Aber was mir unangenehm aufgestossen ist, ist der Umgang mit den Eintrittspreisen. Diese sind wirklich happig. Auch für das neue 1/2 Stellen-Akademikerprekariat.

Nimmt man offizielle Umrechnungen zahlt man rund 22 Mark in Forumchecks bzw. 44 in DDR-Mark für ein Kind…Ja und ein Erwachsener kostet rund 58 DDR-Mark. Zusammen rund 102 DDR-Mark. Das ist ungefähr das, was ich im ersten DDR-Lehrjahr für einen Monat schweißtreibende Arbeit als Lehrlingsentgelt (tolles spätsozialistisches Wort :) ) bekam.

Na gut, mittlerweile haben wir ein anderes Regime. Schulbücher sind heute Ländersache und liebgewordene Klassenfeinde sind auch weggebrochen, genauso wie die Mauer — dieser innerdeutsche Schrebergartenzaun politischer Systeme. Böser Nachbar!

ABER zurück zum Eintritt in den Kosumtempel der heute Heranwachsenden. Also hier gab es teuer Eintritt, für eine lange Schlange. Solche Schlangen gab es in der DDR auch, nur waren die Preise hier gestützt.
Übrigends sind der Tierpark/Zoo zur Zeit noch billiger. Und das obwohl die viele Tiere zu füttern haben. Darunter auch viel mehr Schlangen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Also, extrem Kapital-fördernd ist die Politik der Coupons. Um möglichst viel zahlende Endverbraucher anzulocken, streut Mr. Klötzchen an Tankstellen und anderen Eltern-Multiplikatoren strategisch Coupons. Mit dem Versprechen “Eintritt frei für ein Kind”.

Nun hat dieses Ding aber einen Haken. Der stand hinten kleingedruckt drauf. Sinngemäß stand da: “Andere Ermäßigungen gelten nicht und Eintritt gibt es nur, wenn ein voll zahlender Erwachsender dabei war”.

Vor mir und meinem Nachwuchs stand eine Mutter mit zwei Kindern. Beide Kinder hielten erwartungsvoll einen Coupon in der Hand. An der Kasse wurde der Mutter erklärt, nur ein Coupon gelte, da sie ja nur ein Erwachsener wäre. Also ein Kind umsonst, für das andere muss sie umgerechnet 44 DDR-Mark zahlen.

Tja, was soll die junge Erziehungsberechtigte da nur tun? Was hat sie für Optionen? Nun sie könnte ein Kind (schreiend) draussen anketten und mit dem Geschwisterkind reingehen. Oder Sie macht dem erstbesten jungen Single-Mann hübsche Augen, in der Hoffnung das dieser spontan ihren Nachwuchs akzeptiert und adoptiert. Darauf den Coupon einlöst, für sich selber zahlt und im Bett nicht schnarcht.

Seien wir ehrlich. Sie tat das, was wir alle getan hätten. Ganz leise murrend akzeptierte sie den Preis und bezahlte für sich und ein Kind. Wie sich ein solches Verhalten allerdings auf die langfristige Customer Relationship auswirkt, ist fraglich. Kundenbeziehungen-in der DDR gab es dafür Konsummarken.

Um den Artikel nicht zu ostalgisch verklärend klingen zu lassen, stellen wir uns Mr. Klötzchen in der ehemaligen DDR vor.

Gut, Schlangen hatten wir da auch. Der Eintrittspreis wäre staatlich gestützt, so ca. 50 Pfennig mit Solibeitrag. Und Schwangere und Leute mit Vitamin B dürfen vor.

Aber die Inhalte solch eines sozialistischen Ereignisses (Events)…

Nix mit Cybergenicle oder Merchandise-Artikeln von geblitzdingsbumsden Jungmagiern. Dafür gäbe es den Steckkasten “rote Rübe” mit dem Erweiterungsset “Fünfjahresplan”. Rote Klötzchen wären generell aus, wegen Lieferengpass bei der Farbe.
Alles würde didaktisch den neuen sozialistischen Jugendfreund bzw. dessen Freundin formen.

Stopp! Ich schweife nur ab. Was will ich eigentlich sagen? Also die Inhalte von Mr. Klötzchen sind ok, aber die Preispolitik erinnert mich an mittelalterliche Beutelschneider.

Ansonsten, JA es gab auch im ehemals russisch besetzten Teil Deutschlands Klötzchen. Wenn man die Namens- Abkürzung der DDR Klötzchen umdreht, erhält die Abkürzung eines heute international tätigen Energie und Erdöl-Konzern…Mmh, sollte das einem zu denken geben?

2 Reaktionen zu “Kinderkapitalismus”

  1. halbschatten

    Noch nie von gehört. Ich hätte auch Schwierigkeiten 44 DDR Mark zu bezahlen. Die hab ich damals alle in De Mark umgetauscht. Und von denen habe ich auch keine mehr, denn die habe ich ausgegeben. Oder in Euros getauscht.
    Du musst mal mit Kindern in Holland in einen Vergnügungspark gehen! Oder in BErlin ins sealife! Da gibts auch Rabattmarken.
    Dieses Rabattmarkengedöns sollte langsam aber mal jeder durchschaut haben ;-)
    Gerade im Zusammenhang mit Kindern wird das ja extensiv betrieben. Warte mal, wenn die Kinder älter sind. Dann gehts richtig los! Klingeltonabos!

    Schönen Sommer noch!

  2. hoddeldoddel

    @halbschatten noch nie von gehört…

    Auf den Ostklötzchen stand als Abkürzung immer pb drauf. gucke da: Ostklötzchen

    @sealife
    naja das fand ich eher so lala, dann lieber in den Zoo/Tierpark

    @Klingelton
    Ach du Scheisse, da kommt ja noch was auf uns zu

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