48 Stunden und Tunnelblick
18. September 2007 von Kubi
Am Wochenende habe ich eine Gruppendynamische Erfahrung der besonderen Art gemacht. Ich war kleines Rädchen, in einem Team, beim 48 Hour Filmfestival. Und ich bin einerseits begeistert und schwärme in den höchsten Tönen, andererseits bin verstimmt. Wie ein gutes Klavier
.
In den höchsten Tönen deshalb, weil ich die Idee in 48 Stunden einen Film zu einem Genre, mit einem vorgegebenen Satz und einer vorgegebenen Requisite zu drehen, immer noch klasse finde.
Die Leute waren auch klasse und engagiert. Aber unsere Umsetzung, die ließ leider zu wünschen übrig.
Und das lag vor allem an den Gruppenprozessen. Schon bei der Stoffentwicklung waren viel zu viele Leute vorhanden. Dabei sind - im Vergleich zum Enddrehbuch - sehr gute Ideen auf der Strecke geblieben.
Falls ihr also mal bei sowas mitmacht, hier ein Tipp. Bei der Stoffentwicklung nicht mehr als 2-3 Leute. Wenn man wirklich alle daran beteiligen will, dann bildet mehrere Gruppen dieser Größe. Nach einer Stunde kann man sich dann treffen und per Handabstimmung den besten Plot wählen.
Oder noch besser. Da die meisten eh nur eine vage Idee (zu Location, Kamera, Requisite) und keinen ganzen Plot im Kopf haben, sollen alle das aufschreiben und in einen Hut werfen. Das Plot-Team kann dann daraus eine Geschichte spinnen. Schade das diese Idee nicht aufgegriffen wurde. Wir wären bestimmt drei Stunden eher mit dem Drehbuch fertig gewesen
. Und es wäre eine runde Geschichte.
Und noch etwas, hütet Euch vor Tunnelblicken! Man hat bei Projekten dieser Art immer irgendetwas was einem wichtig ist. Einige wollten eine bestimmte Location, oder diese Kamerafahrt oder oder oder…dabeihaben.
Alles was das Team oder den Plot aufhält, weil es zu schwierig oder zu einseitig bzw. vielseitig ist -WEG damit! Zumindest bei solchen Projekten.
Das “Weg!” allerdings so zu sagen, das der/diejenige von dem die Idee kommt, nicht beleidigt ist, das ist eine Kunst.
Wahrscheinlich sollte man sein Team genau auf das vorher einschwören. Und wer nicht bereit ist, selber zurückzustecken, hat in einem Team nichts verloren.
Daneben braucht man natürlich auch jemanden, der sich traut begründet seine Meinung zu sagen. Wobei das Wort begründet wichtig ist. Einfach so zu sagen: “Nee, das finde ich nicht gut.” ohne Begründung oder Alternative, kann extrem demotivierend für kreative Köpfe sein.
Weiß man aber, das findet mein Partner nicht gut, weil dies oder das nicht stimmt. Dann kann man das ja evtl. mit ihm zusammen verbessern. Womit schon wieder zwei Leute denselben Plot gut finden.
Interessant sind auch Suggestivfragen bei der Diskussion um den Plot. “Das ist doch lustig?” wurde regelmäßig nach der Darstellung einer Idee vom dem/der Ideengeber/in gefragt.
Hier dann “Nein!” zu sagen, wenn man den Menschen gerade erst kennengelernt hat, fällt zumindest mir schwer. Schließlich hat man ja eine Kinderstube.
Gruppendynamisch habe ich jedenfalls einiges gelernt an dem Wochenende. Hehe…
So nun aber genug gemäkelt. Eigentlich fand ich es nämlich relativ cool und würde jederzeit wieder mitmachen. Wie heißt es so schön. Der Weg ist das Ziel.
Naja, was letzten Endes rausgekommen ist, werde ich mir heute ja noch ansehen. Ich kenne nämlich das Endprodukt noch gar nicht… Ich kann dann ja noch mal berichten, wie mein Eindruck vom allem zusammen ist.
Am 17. Juli 2008 um 11:28 Uhr
[…] Wochenende war es wieder einmal soweit. Wie schon letztes Mal nahm ich am 48 Stunden Filmfestival […]