Depressiv und Spaß dabei?
15. Januar 2008 von KubiIch muß so ungefähr zweite, dritte Klasse gewesen sein, als Ian Curtis sich erhängte.
10 Jahre und ein Gesellschaftssystem später, nahm ich das erste mal seine Stimme bewußt wahr. Passenderweise als ich gerade durch ein ehemaliges Ostberliner Neubauviertel schlurfte. Stimmig zum Bild der Zone war auch der Walkman (it´s a ….), auf dem ich die Musik von Joy Division hörte. Ian Curtis, tieftönender Sänger dieser Postpunk-Band, kam mir mit seinem leidenden Gesang vor, wie ein Ossi auf Sinnfindung.
Letzteres entsprach damals ungefähr meiner eigenen jugendlich- emotionalen Suchbewegung.
In den Clubs, Partys und Tapes der frühen 90ziger tauchte Ian und sein Trupp immer wieder auf. Meistens mit dem vermeintlichem Liebeslied Love will tear us apart. Zu dem ließ sich gut tanzen, während die restlichen Joy Division Songs doch eher sperrig daherkommen. Also eher für Liebhaber und Musiker.
Meine Band- und Musikerkollegen fachsimpelten über Joy Division und Ian.
O-Ton:
“Ian Curtis hat sich umgebracht, wegen ner Frau! Nen paar Tage vor ihrer ersten Amerika Tournee.”
“New Order sind die Nachfolge-Band von Joy Division.”
Staunend lauschte ich dem mir zugeschrienem Fachwissen. Schreien war damals die einzige Form der Verständigung in Clubs (Anmerkung des Autors).
Im Laufe der Zeit gab es neue Teenie-Idole mit suizidalen Tendenzen und meine Joy Division Platten verstaubten im Schrank. Bis jetzt.
Denn am letzten Sonntag habe ich in der Spätvorstellung “Control” gesehen. Der Film zeigt das Leben von Ian Curtis. Vom pubertierendem David Bowie Fan, über die frühe Heirat (mit 19!), den Erfolg, die epileptischen Anfälle bis zum Suizid mit 23 Jahren.
Was erwartet einen?
Bilder: Der ganze Film ist im kalten Schwarz Weiß gedreht. Was die Enge des miefig, piefigen englischen Vorort-Bürgertums gut einfängt.
Musik: Der Film ist kein richtiger Musikfilm. Klar, es gibt viel Musik zu hören, aber der Film hat Handlung.
Story: Irgendwo habe ich gelesen, das sei ein Liebesfilm. Also ich finde das überhaupt nicht. Eher handelt der Film vom Scheitern. Der Titel “Control” und der Gegenpart die Kontrolle verlieren, treffen den Inhalt eigentlich ganz gut.
Inwiefern der Film die damaligen Realitäten wahrheitsgemäß nachstellt, kann ich nicht beurteilen. Er basiert auf den biographischen Erinnerungen der Frau von Ian. Die kommt erstaunlicherweise in dem Film eher schlecht weg.
Mein Fazit: Absolut sehenswert!
Kann ich mir den Film auch ansehen, wenn ich die Band bisher nicht kannte? Ich habe das Experiment gemacht, ihn mit einer jungen Dame zu sehen, die keinerlei Bezug zu dieser Musik hatte. Und Sie war beeindruckt.
In diesem Sinne
Touching from a distance

Am 16. Januar 2008 um 17:59 Uhr
Dame? Aha???
Am 16. Januar 2008 um 21:04 Uhr
Schau an gibt es auch auf Deutsch
http://www.amazon.de/Aus-Ferne-Ian-Curtis-Division/dp/3931126021