Ausputzer

16. März 2008 von Kubi

cloon.png Er kommt nicht so richtig in Fahrt, der neue Film von George Clooney. Und das ist schade, weil der Film meiner Meinung nach alles hat, was ein Thriller haben muß. Eine spannende und intelligente Geschichte, ein aktuelles Thema (genetisch verändertes Saatgut) und gute Schauspieler.

Warum sprang der Funke bei mir nicht wirklich über?
Ich habe zwei Erklärungen.

1.) Nun kann man sagen, es ist das Regiedebüt von Tony Gilroy. Und ein Debüt ist halt das erste Mal. Andererseits hat Mr. G. schon viele erfolgreiche Drehbücher geschrieben, wie zum Beispiel die Bourne Filme, Armageddon und Im Auftrag des Teufels.

Also Drehbücher schreiben kann er. Aber Regie ist etwas anderes, als gut schreiben. Und ganz gefährlich wird es, wenn ein Regisseur gleichzeitig Autor seines Films ist. Die Aufgabe eines Regisseurs ist es ja, den Kern der Geschichte herauszuschälen und darzustellen. Da ich selber viel schreibe, weiß ich wie sehr man als Autor an seinen Szenen klebt. Und ich glaube genau das ist hier passiert. Der Autor wollte als Regisseur keine Szene streichen oder ändern, die er im Drehbuch hatte.

baum.png

2.) Die zweite Erklärung hat nichts mit dem Regisseur zu tun, sondern mit meinen Sehgewohnheiten. Kino ist ja mittlerweile ganz schön teuer (Tierpark oder Museen sind billiger).
Und für das Geld will ich gut unterhalten werden. Sprich ich erwarte unerwartete Wendungen, Humor, Action die man noch nicht gesehen hat usw.usf..

Und nun kommt ein Film, der figurenmäßig sehr breit angelegt ist. In Bezug auf die Figuren ähnelt der Film fast wie einem russischen Roman aus dem 19 Jahrhundert.
Und wie in diesen moralisierenden Romanen, muss erstmal jede Figur gezeigt werden. Mit Höhen und Tiefen. Vor allem Tiefen. Auch wenn es gar nichts zur Geschichte des Filmes beiträgt.
So erfährt man beispielweise viel über Nebenfiguren (der Sohn und der Bruder des Anwalts). Diese Szenen verwirren mehr und bringen die Geschichte nicht voran. Man hätte sie auch komplett weglassen können und die Geschichte hätte keinen Schaden genommen. Ich glaube es liegt vor allem daran, dass der Funke nicht übersprang.

Ok, was bleibt?

Thema: Das Thema genetisch verändertes Saatgut wird von einer neuen Seite gezeigt, bzw. es ist der Aufhänger für den gezeigten Machtpoker der Konzerne und Anwälte.

Kamera und Bild: Beides ist solide Hollywoodarbeit, zeigt aber auch nichts wirklich Neues.

Musik: Unaufdringlich.

Schauspieler: Allesamt sehr gut. Nicht umsonst bekam Tilda Swinton als Beste Nebendarstellerin einen Oscar.

Story und Regie: Der Grundplot der Story ist gut, aber die Umsetzung ist viel zu langatmig. Für einen Film der einen Anwalt zeigt, der sich als Ausputzer betätigt, also als Problemlöser für die schwierigen Fälle, hatte ich mehr Action erwartet.

Was bleibt hängen? Das Bild einer vollkommen korrupten Welt und der Tipp, dass wenn Dein Navi spinnt, halte bloß beim nächsten Baum mit Pferden an. Sonst bist Du tot.

Soviel zu Michael Clayton dem Ausputzer einer Staranwaltskanzlei. Apropos putzen. Ich mache jetzt Hausputz. Ich bin Shiva Gott der Staubsauger!

5 Reaktionen zu “Ausputzer”

  1. Manzana

    Was ich an dem Film richtig gut fand, war: Kein Blut, nur ein Toter. Ich wollte gute Unterhaltung mit einer netten Story. Wenn ich Achterbahn fahren will, gehe ich auf den Rummelplatz.

    Ich fand, dass gerade die Nebenhandlungen dem Film Farbe gegeben haben. Was im Nachhinein in mir arbeitet, ist: Wie lebt es sich mit einem solchen Bruder? Wird er es schaffen? Die Figur des Michael Clayton bekommt Ecken und Kanten und wird interessant: Er ist wohl ein Guter, aber nicht als Abziehbild aus Disneyland. Denn wer seinen Sohn vernachlässigt, kann ja nicht komplett nur gut sein. Das machte den Film für mich interessant - allerdings, da gebe ich Dir recht, nicht spannend.

    Das Herausschälen des Kerns einer Geschichte ist m.E. die ureigenste Aufgabe des Autors. Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, Teile eines Textes, die bei verständigen Kritikern nicht ankommen, zu entfernen, ist Voraussetzung für Professionalität. Wer das nicht kann, ist mit Sicherheit in Hollywood falsch.

    Feministische Kritik: Noch nie habe ich in einem Film einen hochstehenden Manager so viel sich mit seiner Kleidung beschäftigen sehen. Dass die Böse ständig beim Ankleiden und bei der Wahl ihrer Feinstrümpfe gezeigt wird, erinnert mich fatal an die Frisurendebatten um Bundeskanzlerin Merkel, Generalbundesanwältin Harms und Bundesfamilienministerin von der Leyen.

  2. Kubi

    Mit Herausschälen der Geschichte meine ich, das der Regisseur ein Drehbuch für die Leinwand interpretieren muss. Und das ist nicht Aufgabe des Autors.
    Zum Beispiel den Satz ” Michael fährt durcheinander und wütend die Strasse entlang.”. Hier muss der Regisseur festlegen wie das umgesetzt wird. Außenaufnahmen? Nahaufnahmen ? Welche Handlungen zeigen das Michael durcheinander ist?
    Das muss der Regisseur sagen.

    Der Aufgabe des Autor ist das Schreiben der Geschichte. Das ist die Grundlage für jeden Film! Aber der Regisseur muss aus einem Buch einen Film machen.

    Wenn man beide Rollen inne hat, kann das klappen, muss aber nicht.

    Streichen gehört halt zu den wichtigsten Aufgaben eines Regisseurs. Ob im Theater oder beim Film. Aber seine eigenen Texte zu kürzen, das ist verdammt schwierig.

  3. Manzana

    Hm. Also ich empfinde das Kürzen meiner eigenen Texte als eine Art bildhauerische Tätigkeit. Eben genau das: Herausschälen. Anfangs fand ich das auch schwierig, aber mittlerweile macht es mir auch Spaß, zu sehen, wie ein Text sich dadurch verwandelt und immer besser wird. ( Noch nicht geklärt habe ich für mich, wie ich im Rahmen des schnellen Mediums Blog damit umgehen möchte.)

    Dass es schwierig sein kann, wenn ein und dieselbe Person das Drehbuch schreibt und interpretiert, sehe ich ein. Der Vier-Augen-Effekt fällt dadurch weg, die Möglichkeit, zusätzliche Perspektiven einzubringen. Ja, wenn ich es recht bedenke, schließe ich mich Deiner Kritik in diesem Punkt an.

  4. kubi

    Manchmal klappt es ja auch - siehe Tarantino

  5. bellis

    Auch ich fand den zurück haltenden Umgang mit Toten und Schlägereinen sehr angenehm. In dieser Hinsicht war der Anwaltsberuf relativ real dargestellt. Man verbringt tatsächlich die meiste Zeit mit telefonieren, lesen, Schriftsätze verfassen und rumfahren zu den verschiedenen Terminen. Das ist ja auch ein Grund warum ich mir Anwaltsfilme sonst schon aus Prinzip nicht ansehe. Daher war ich von diesem Film sehr angenehm überrascht.

    Diese anscheinend unwichtigen Nebenhandlungen, fand ich schon wichtig, um ein genaueres Bild des Michael und seiner Situation zu geben. Eine nette “Friede-Freude- Eierkuchenfamilie” wäre nicht glaubwürdig gewesen. Zumal es ja im wahren Leben auch meist so ist, dass viele Probleme gleichzeitig zu lösen sind.

    Insgesamt war der Abend ein schöner Abschluß einer anstrengenden Woche.

Einen Kommentar schreiben

Datenschutzerklärung