Ist das Album wirklich tot?
25. Januar 2009 von Kubi
“Spätestens in zehn Jahren ist die CD tot”, prophezeite 2006 Mr. Goldberg, damals Chef für Musik bei Yahoo. Ist das auch das Ende des Musikalbums?
Laut Wikipedia gilt “.. eine Schallplatte als ein Album, wenn sie mindestens fünf Stücke enthält oder eine Spielzeit von mehr als 23 Minuten hat. Remixe zählen dabei nicht im Sinne der Definition. Einen Übergang zwischen Album und Single bildet die EP.”
Die uns bekannte Albumlänge liegt unter anderem in der Speicherkapazität der CD begründet bzw. in den Hörgewohnheiten des ehemaligen Sony-Vize-Chefs.
In modernen Medien sind der Speicherkapazität kaum Grenzen gesetzt. Also ab wann gilt ein Server, USB Stick etc als Album? Führt das jetzt zu neuen Megaalben?
Wohl kaum. Vielleicht eher zu kleineren.
Ich glaube, dass die EP im Internet das Erbe des Albums antreten wird. In einer moderneren Form. Als Musiker muß man nicht so viel komponieren und kann eher veröffentlichen. Die Fans können reagieren, evtl. sogar in den Schaffensprozess eingreifen. Interaktiv sozusagen.
Doch wenn ich mich auf Musikseiten im Internet umhöre, dann habe ich das Gefühl, dass sich vor allem die Musiker nur schwer von dem Musikalbum trennen.
Als Musiker frage ich mich aber, ist das Album noch eine zeitgemäße Veröffentlichungsform? Oder ist es nicht schicker und sinnvoller Musik in kleineren Einheiten, ähnlich der EP bzw. Single zu veröffentlichen. Zum Beispiel 4 Stücke oder so….
Oder soll man auf Krampf versuchen ein langes Album zu erschaffen? Sind 2-4 gut gemachte Titel nicht besser als 10 teilweise durchwachsene?
Das würde auch der Aufmerksamkeitspanne und dem Hörverhalten der Fans entgegenkommen. Oder wann habt ihr Euch das letzte mal ein Musikalbum bewusst und aufmerksam von Anfang bis Ende angehört? Ehrlich mal jetzt
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Es sind doch oft nur einzelne Songs die einem gefallen. Von den meisten CDs sind langfristig gesehen nur einzelne Titel in meine Dauer-Playlist übernommen worden.
Und weil nicht nur ich solch ein Verhalten zeige, wurde die Single erfunden und dementsprechend kann man auch im Internet Musikstücke einzeln kaufen oder downloaden.
Mit anderen Worten, sollen sich Künstler dem Druck aussetzen “Mist wir haben die Albumlänge noch nicht erreicht” ? Deshalb also noch schnell etwas aufgenommen! Die Konsequenz klingt dann häufig genauso, wie der Vorgängertitel und schmälert damit dessen Eigenständigkeit.
Früher kam der Druck fürs Album (10 Titel und mehr) von der Plattenindustrie. Wie der Name schon sagt, beschäftigt sich diese Industrie mit antiquierten Speichermedien. Dieser Hang zur guten alten Zeit zeigt sich, in dem sehr behäbigen Reagieren in Bezug auf die Einführung MP3 und Music on demand. Ich denke, heute ist der Plattenindustrie das Medium Album halbwegs egal - hauptsache sie verdienen irgendwie Geld an den Kreativen. Und sei es durch Unterlassungsklagen und Kriminalisierung der Fans.
Doch will der Fan nicht möglichst viel Musik?
Leider ja - da in der menschlichen Natur der Sinn fürs Jagen und Sammeln tief verwurzelt ist. Je mehr desto besser. Dieses instiktive Verhalten führte evolutionär zum Erfolg des Menschen auf diesem Planeten und wird wahrscheinlich auch irgendwann zu seinem Untergang beitragen (Klima usw…).
Doch zurück zur Musik. Durch den Sammelwahn entstehen Plattensammlungen die nur in Monaten oder Jahren am Stück durchhörbar sind. Häufig wissen die Leute oft gar nicht mehr was sie als MP3 haben oder nicht. Gut das Musikprogramme heute solche Doppler finden können.
Deshalb glaube ich von solchen Internet EPs hätten alle mehr. Festplattenplatz wird gespart, die Qualität der Musik steigt wieder. Oder wird das Album doch nicht aussterben, sondern weiterhin mit gleichem Erfolg auf den iPods, Handys usw. bestehen?
Totgesagte leben länger!
Immerhin habe ich neulich bei Mediamarkt neben der CD Abteilung eine neu aufgemachte Plattenabteilung entdeckt. In der wirklich wieder aktuelle Platten zu haben waren. Holen uns die Zombie-Musik-Formate wieder ein? War die Entscheidung meinen Plattenspieler zu verschenken verfrüht? Soll ich mir einen Phonographen anschaffen, weil die Wachswalze als Speichermedium im Kommen ist?
Schließlich halten Schallplatten, Wachswalzen bei entsprechender Pflege länger als CDs. Und die Tonqualität braucht sich hinter der mancher Youtube Handyaufnahmen nicht zu verstecken, wie man hier hören kann Wachswalzenaufnahme.
Fragen über Fragen. Die Wahrheit klingt irgendwo da draussen.
Am 27. Januar 2009 um 22:16 Uhr
Was ist mit den Cassetten?